Kinderzeichnungen
Kinder sind von Natur aus neugierig und finden fast immer Gefallen an dem, was ihre großen Geschwister oder Eltern tun. Wenn der Bruder gerade an den Hausarbeiten sitzt oder die Mama ihre berüchtigte Einkaufsliste schreibt, möchte das Kleinkind natürlich auch Blatt und Papier haben, um sich zu entfalten. Ab einem Alter von zirka 18 Monaten beginnt die so genannte kreative Phase bei Kindern und das Malen spielt eine wichtige Rolle in der Entwicklung sowohl geistiger als auch motorischer Fähigkeiten. Dabei durchlebt das Kind viele Phasen des Malens – von Spurschmieren bis hin zur Darstellung von komplexen Formen – die ganz typisch in einem gewissen Alter sind.
Mit dem Spurschmieren fängt alles an und nicht immer erfreut es die Eltern, wenn das 18 Monate alte Kind mit breiartigen Substanzen Wände und Böden beschmiert. Doch diese Art des “Malens” erweckt die Fantasie der kleinen Künstler und bringt ihnen Freude. Sie bringen etwas zu Papier, was jeder betrachten kann, obwohl natürlich noch keinerlei Absicht hinter den Bildnissen steht. Mit dem Spurschmieren entwickelt sich irgendwann das Kritzeln, bei dem einfach wahllos Striche gezeichnet werden. Kinder sind in dem Alter meist noch nicht in der Lage einen Stift richtig zu halten und malen daher aus dem Schultergelenk, das heißt, sie drehen ihren gesamten Oberkörper, um so einen Strich aufs Papier zu bringen. Etwas später, ab einem Alter von zirka 22 Monaten, erfolgen diese Bewegungen dann aus dem Ellenbogengelenk, und kurz darauf sind Kinder dann in der Lage, das Handgelenk zu schwingen. Dies erkennt man zum Beispiel daran, dass Kinder den Stift auch mal Absetzen und mehrere Gebilde zeichnen, während davor lediglich immer nur ein Strich zu sehen war.
Ab einem Alter von drei Jahren malen Kinder auch Kreise und Kringel, womit die Kritzelphase langsam abschließt.
Nun beginnen Kinder ihre Zeichnungen zu kommentieren und Elemente zu benennen. Zwar sind die Formen und Motive der kleinen Zeichner für Erwachsene kaum erkennbar, aber man erkennt die Absicht, die hinter dem Malen steht und erhält häufig einen Vortrag über das Gemalte vom Künstler selbst.
Die Vorschemaphase des Malens beginnt mit den Kopffüßlern. Für Erwachsene sind nun erstmals Formen und Motive erkennbar, obwohl sie natürlich noch weit von der Realität abweichen. Kinder malen in dieser Phase sehr gerne Menschen, das heißt einen Kreis mit Anhängseln ohne Rumpf. Ein Gesicht wird meist erst später hinzugefügt. Irgendwann wissen Kinder, dass Menschen zwei Arme und zwei Beine haben und ihre gezeichneten Menschen ähneln sehr dem Strichmännchen.
Zwischen fünf und sieben Jahren erlangen Kinder meist die Werkreife. Grafische Merkmale und Details fallen nun mehr ins Gewicht und Kinderzeichnungen werden unverwechselbar individuell. In dem Alter spielen Emotionen und Motive beim Malen eine enorme Rolle und jede Zeichnung beinhaltet viel Mitteilungsgehalt.
In der darauffolgenden Schemaphase 1 spielen so genannte Röntgenbilder eine große Rolle. Kinder zeichnen zum Beispiel die äußere Hülle eines Menschen und gleichzeitig zeigen sie dem Betrachter, was sich im Inneren des Körpers abspielt. In diesem Alter ist auch deutlich zu erkennen, dass Kinder noch keine realistische Einschätzung von Größenverhältnissen haben, denn ein Haus ist beispielsweise kleiner als eine Raupe oder der Apfel ist größer als das Auto. Die Größe der Gegenstände auf der Zeichnung richtet sich meist nach dem momentanen Stellenwert, die sie im Leben des Kindes einnehmen.
Die Schemaphase 2 bietet bereits realistischere Größenverhältnisse und zeigt, dass Kinder mittlerweile dreidimensional denken können. Sie zeichnen weiter entfernte Dinge kleiner, während im Vordergrund die größten Elemente platziert sind. In diesem Alter neigen Kinder dazu, vieles zu karikieren, weil sie manchmal noch etwas frustriert darüber sind, dass sie gewisse Dinge noch nicht zu Papier bringen können.
Kinder bringen viel Emotionen in ihre Bilder und zeigen oft sehr deutlich, was ihnen gefällt und was eher nicht. Zum Beispiel malen sie Personen, die sie nicht mögen, häufig an den Rand des Papiers, weit weg von den anderen gemalten Personen. Angstobjekte werden meist dunkel gehalten und sind im Gegensatz zu fröhlichen Motiven eher klein.